1. Herren | Westfalen-Blatt (Jörg Manthey) | 11.02.19
Bielefeld (WB). »Wir haben ein Spiel, das wie ein Pendel hin und her ging, für uns entschieden. Das macht mich stolz«, kleidete Dr. Carl Moritz Wagner den 32:30-Derbysieg seiner TSG A-H Bielefeld über den TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck (wir berichteten am Samstag ausführlich) »erschöpft, aber zufrieden« in Worte. »Bis zur 45. Minute war es kritisch. Dann war Luca Sewing da, war die Abwehr da, war der Torwart da. Mit dieser Qualität haben wir das Spiel gedreht.«

Kampf war Trumpf. Es ging nicht immer hochklassig auf dem Parkett zu, dafür war’s jederzeit kurzweilig. Die 1500-köpfige Kulisse durchlitt jedenfalls eine Achterbahnfahrt der Gefühle. »Das waren fünf Spiele in einem«, pustete Ulli Hollmann (TSG) durch.

»Wir haben die TSG vor Aufgaben gestellt«, resümierte TuS 97-Trainer Sven-Eric Husemann die deutlich besseren Starts in die erste Hälfte (3:0) und nach dem Wechsel (17:12). Handballerisch kaufte der Ortsnachbar dem Gastgeber bis dahin den Schneid ab. Ausgerechnet als der überragende TuS 97-Keeper David Weinholz in der 43. Minute mit einer Doppelparade gegen Nils Strathmeier und Julius Hinz stehende Ovationen erntete und Sebastian Reinsch diese Aktion mit dem 21:17 (44.) für die Jürmker veredeln konnte, drehte sich das Momentum. Mit einem 7:1-Lauf riss die TSG die Führung an sich (24:22) und sollte sie nicht mehr hergeben. Wagner staunte (»Das war ein schleichender Prozess«) und lobte Linkshänder Sewing. »Er hat Verantwortung übernommen. Seine einfachen Tore haben uns gut getan.« Dieses Erfolgserlebnis darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die TSG mit der spielerischen Vorstellung gerade der ersten Hälfte nicht zufrieden sein konnte. Es fehlte dem Heimteam vorne an der nötigen Durchschlagskraft aus dem Rückraum. Die zu statisch agierenden Distanzschützen teilten sich bis zum 12:15 zwölf »Fahrkarten« plus einige technische Fehler. »Wir hatten Probleme auf den Halbpositionen«, erkannte Wagner. Immerhin war Julius Hinz (acht Tore bis zum 12:15-Pausenrückstand) bestens aufgelegt.

Hinten (Wagner: »Wir haben Zweikämpfe gegen die Hand verloren«) hielt die Verunsicherung an. »Wir haben oft im Niemandsland gedeckt«, merkte Tobias Fröbel selbstkritisch an. So wurde Linksaußen Daniel Meyer zuviel Platz gegönnt, und der Ex-TSGer wusste damit etwas anzufangen. Fröbel: »Daniel hat gebrannt. In der zweiten Hälfte standen wir hinten kompakter, die Waffe Meyer kam nicht mehr so zum Zuge. Wir haben Jöllenbeck zu Rückraumwürfen gezwungen. Den Rest hat Fabian Ullrich erledigt.«

Im Verliererlager trauerten sie einer verpassten Chance hinterher. Leon Ludwigs vermisste ab der 44. Minute »die Cleverness und den Druck. Wir haben uns keine guten Chancen mehr erarbeiten können.« Mittelmann Julius Clausing: »Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig Tempo gemacht. Vorne sind wir nicht mehr richtig in die Löcher gegangen. Der letzte Zug zum Tor hat gefehlt.« Nicht zuletzt seien fehlende Wechselalternativen dem TuS 97 zum Verhängnis geworden. »Wir haben mit sieben, acht Spielern durchgespielt. Das hat gezehrt«, räumte Sebastian Kopschek ein. »Wir mussten uns alles hart erarbeiten. Da hat am Ende das letzte Fünkchen Energie gefehlt.« Gleichwohl fand er: »Wir waren komplett gleichwertig.« Clausing filterte direkt nach dem Abpfiff das Positive aus der Derbyniederlage heraus. »Wir lassen uns dadurch unsere gute Rückserie nicht kaputtmachen. Wir sind als Team aufgetreten und haben super gespielt. Und eigentlich waren wir die bessere Mannschaft.«

Der Wermutstropfen für den Sieger: Jonas Zwaka, der nach einem Zusammenprall mit Till Kraatz (32.) nicht mehr als Mittelmann eingesetzt werden konnte, muss die nächsten Tage eine Gipsschiene tragen. »Danach sehen wir weiter. Ist aber kein Handbruch«, hofft Calle Wagner.

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