Der Grat zwischen angemessener Spielleitung und Entscheidungen, die zu Ärger führen, ist schmal. Doch auch die Art der Einflussnahme auf die Referees muss immer wieder hinterfragt werden. Vor der Herbstpause waren noch einmal Gefühlsausbrüche im Spiel. Emotionen sind immer dabei, die Frage ist nur, wie sie zum Ausdruck kommen. Wie so häufig drehten sich die Diskussionen um die Schiedsrichter.

Fall eins: Die HSG EGB Bielefeld trat zum Meisterschaftsspiel in Neuenkirchen an. Die Entscheidung in dieser Partie fiel erst in allerletzter Sekunde. Nachdem EGB eine Chance zum Führungstreffer vergeben hatte, prallte der Ball aus der Neuenkirchener Abwehr zurück aufs Feld. Es kam zu einem kurzen Zweikampf um das Spielgerät, der aber, so nahmen es beide Seiten wahr, durch Ablauf der Spielzeit beendet wurde - unentschieden also.

Das Schiedsrichtergespann wertete die finale Szene, die sich in der Neuenkirchener Hälfte abgespielt hatte, allerdings anders. Sie entschieden auf Behinderung und gaben eine Rote Karte gegen EGB inklusive Siebenmeter für Neuenkirchen. So fiel der Siegtreffer.

»Beide Teams hatten das Unentschieden akzeptiert«

Der Frust entlud sich bei Facebook, wobei die Bielefelder ihre Leistung überhaupt nicht schön reden wollten. "Wir haben uns selbst um den Sieg gebracht. Wir hatten im Spiel genug Gelegenheiten, das Ergebnis deutlicher zu gestalten", sagte Trainer Sven Grüger. Aber: "Am Ende hatten beide Teams ein Unentschieden akzeptiert. Die Partie wird letztlich nicht durch einen spielerischen Akzent entschieden, sondern durch eine Rituallösung der Schiedsrichter", so der EGB-Coach.

Unabhängig von der letzten Szene lief die Kritik auf einen zentralen Punkt hinaus: Grüger: "Die Herren waren 60 Minuten kaum auf Ballhöhe." Bei Facebook klang das folgendermaßen: "Zwei Herren im hohen Alter, die gar nicht mehr richtig und schnell genug laufen können, um ein wirklich sehr langsames Spiel zu leiten, werden in dieser Liga immer weiter angesetzt." Sind viele Referees zu alt? Kreis-Schiedsrichter-Lehrwart Sven Caspari versteht die Problematik: "Bei jedem Regeltest sind die Kollegen unter den besten drei Gespannen. Auf dem Feld fehlt es vielleicht manchmal an Fingerspitzengefühl. Grundsätzlich müssen wir aber auch ältere Gespanne einsetzen, weil wir es ohne die nicht stemmen könnten."

Auf Verbandsebene gebe es Konditionstests. Für den Kreis, zu dem die Bezirksliga auch zählt, sei das utopisch. "Was in 15 Jahren vernachlässigst wurde, können wir nicht in fünf Jahren gerade biegen", sagt Caspari. Der Lichtblick: In diesem Jahr haben mehr Schiedsrichter angefangen, als Referees aufgehört. Das ist auch ein Erfolg des EDIs-Projekts. Jugendliche ans Schiedsrichterwesen heranzuführen, wird mittlerweile überall praktiziert. Aber auch da kommt es zu Problemen.

Fall zwei: Bereits im Mai trugen sich in der Pfalz gleich mehrere Vorfälle zu. Jungschiedsrichter, die Jugendspiele leiteten, wurden von Erwachsenen derart bedrängt und beeinflusst, dass sich in einem Fall der Referee nach der Pause nicht mehr aufs Feld zurück traute. "Diese Fälle haben sich innerhalb von drei Wochen gehäuft", sagt der Schiedsrichter-Lehrwart des Pfälzer Handballverbands, Thorsten Kuschel, selbst Bundesligaschiedsrichter. Er sprach in einem offenen Brief Klartext. Der ging über die Rheinpfalz Zeitung und Facebook durch die Republik. "Uns geht es in den Jungschiedsrichter-Projekten darum, dass die Jugendlichen eine Persönlichkeit entwickeln. Eltern oder Trainer, die ausrasten, machen diese Arbeit zunichte", sagt er.

Kuschels Beitrag zum Verbandstag war Kritik aber auch Werbung um Verständnis zugleich. "Kritik ist erlaubt und erwünscht, Emotionen gehören zum Spiel und machen den Sport aus", sagte er und ergänzt: "Persönliche Schuldzuweisungen, oder gar ausgelacht zu werden, nimmt sich ein junger Mensch aber sehr zu Herzen." Wie Kuschel sieht auch Caspari ein zentrales Problem: "Viele Trainer und Zuschauer sind nicht sehr regelkundig." Am Ende bleibt aber ein Fazit: Erwachsene sollten sich auf und neben dem Feld immer auch wie Erwachsene benehmen.

Handball-Regel 8.10 d

Wenn der Ball in den letzten 30 Sekunden im Spiel ist und der gegnerischen Mannschaft durch ein Vergehen im Sinne von Regel 8.5 oder Regel 8.6 die Chance genommen wird, in eine Torwurfsituation zu kommen oder eine klare Torgelegenheit zu erreichen, ist das Vergehen nicht nur mit Disqualifikation laut Regel 8.5 oder Regel 8.6 zu bestrafen, sondern es muss auch ein schriftlicher Bericht eingereicht werden.

Nach den Regeln 8.5 und 8.6 muss die Aktion zur Verhinderung einer Torgelegenheit gesundheitsgefährdend, besonders rücksichtslos, vorsätzlich oder arglistig sein.

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